Erschienen: «The Routledge Handbook of Star Trek»

Die Menschheit teilt sich bekanntlich in zwei Gruppen – in Star-Trek– und Star-Wars-Liebhaber. Ich selber gehöre klar zur ersten Gruppe. Obwohl ich die meisten Star-Wars-Filme gesehen habe, hat mich dieses Franchise nie wirklich begeistern können. Captain Picard und Co. liegen mir da eindeutig näher. Allerdings bin ich weit davon entfernt, ein Star-Trek-Experte zu sein. Am besten kenne ich mich mit The Next Generation aus, die Original Series kenne ich nur bruchstückhaft, und alles, was nach Voyager erschienen ist, ist mir völlig unbekannt. Auch bei den Filmen tun sich bei mir grosse Lücken auf.

The Routledge Handbook of Star Trek

Das Buch

Im Zusammenhang mit meiner Forschung zu filmischen Utopien hatte ich allerdings mehrfach mit Star Trek zu tun. Wenn ich mit Kolleg:innen oder Bekannten über meine wissenschaftliche Arbeit spreche, wird die Serie regelmässig als Beispiel für eine Utopie genannt. Tatsächlich bin ich aber der Ansicht, dass Star Trek nur sehr bedingt als Utopie gelten kann.

Die Antwort auf die Frage, ob Star Trek zu den Utopien gezählt werden kann, hängt in erster Linie davon ab, wie man Utopie definiert. So ist Sebastian Stoppe, der eine Dissertation zum Thema geschrieben hat, der Ansicht, dass die Serie sehr wohl eine Utopie darstelle. 1 Zweifellos ist in der Welt der Serie vieles besser als in der unsrigen: Dank Replikatoren erfreuen sich ihre Bewohner:innen einer Überflusswirtschaft. Im Grunde muss niemand Hunger leiden, (fast) alles kann synthetisiert werden, und obwohl die Welt nicht konfliktfrei ist, herrscht innerhalb des Gebiets der Federation doch weitgehend Frieden. In einem sehr allgemeinen Sinn kann Star Trek deshalb zweifellos als utopisch bezeichnet werden. In meiner Forschung gehe ich allerdings von einem deutlich enger gefassten Utopiebegriff aus, für den einerseits die Ausführlichkeit des Gesellschaftsentwurfs und andererseits die Kritik an der jeweiligen Gegenwart zentral sind. Indem die Utopie einen detaillierten Gegenentwurf zur misslichen Gegenwart präsentiert, übt sie immer auch Kritik an dieser. Diese beiden Aspekte sind bei Star Trek bestenfalls im Ansatz gegeben. Nicht nur erfahren wir kaum etwas darüber, wie die Federation organisiert ist, die Kritik an den aktuellen Verhältnissen bleibt meist sehr allgemein.

Im Grunde ist Star Trek eine sehr unpolitische Utopie, denn die Lösung der gesellschaftlichen Probleme liegt nicht in politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen, sondern beruht in erster Linie auf dem Wunder der Replikatorentechnologie. Nicht nur das – in verschiedenen Folgen, insbesondere in The Original Series, zeigt sich Star Trek sogar ausgesprochen utopiefeindlich. Als die Crew der Enterprise in This Side of Paradise (TOS S01E25) durch die Sporen einer mysteriösen Pflanze völlige Zufriedenheit erlangen, setzt Kirk beispielsweise alles daran, um diesem Zustand ein Ende zu setzen. Seine Begründung: «We weren’t meant for that, non of us. Man stagnates if he has no ambition, no desire to be more than he is.» – Die Utopie ist, mit anderen Worten, ein unnatürlicher Zustand.

Ich habe diese Überlegungen bereits schon an verschiedenen Stellen – unter anderem in meiner Habil – kurz skizziert, aber nie ausführlich dargelegt. Umso grösser war meine Freude, als die Herausgeber:innen des Routledge Handbook of Star Trek mich für einen Beitrag zu den utopischen Qualitäten von Star Trek anfragten. Nun liegt das gewichtige Werk vor, und ich bin sehr stolz, dass ich es als Star-Trek-Dilettant in diese illustre Runde geschafft habe.

The Other Side of Paradise

Ein glücklicher Spock in der TOS-Folge The Other Side of Paradise

Erwähnte Werke

Stoppe, Sebastian: Unterwegs zu neuen Welten. Star Trek als politische Utopie. Darmstadt: büchner 2014.

Spiegel, Simon: Bilder einer besseren Welt. Die Utopie im nichtfiktionalen Film. Marburg: Schüren 2019.

Spiegel, Simon: «Utopia». In: Mittermeier, Sabrina/Rabitsch, Stefan/Garcia-Siino, Leimar (Hg.): The Routledge Handbook of Star Trek. London/New York: Routledge 2022, 467–475.

Anmerkungen:

  1. Siehe dazu meine Rezension im Quarber Merkur.

Neue Veröffentlichungen

Diese Woche sind gleich zwei Artikel von mir erschienen bzw. bei mir eingetrudelt.

Zuerst wäre da mein Beitrag zu dem von Anna McFarlane, Graham J. Murphy und Lars Schmeink herausgegebenen Band Fifty Key Figures in Cyberpunk Culture(vom gleichen Trio stammt auch der Routledge Companion to Cyberpunk Culture). Das Buch versammelt, wie es der Titel bereits erahnen lässt, Einträge zu fünfzig Persönlichkeiten, die das Subgenre des Cyberpunks massgeblich geprägt haben. Die Liste reicht von offensichtlichen Kandidaten wie Neuromancer-Autor William Gibson und den Wachowskis bis zu vielleicht weniger naheliegenden Namen wie dem Medientheoriker Marshall McLuhan und den Futurologen Alvin und Heidi Toffler (tatsächlich war mir bisher nur Alvin ein Begriff; dass seine Frau Heidi massgeblich an den unter seinem Namen veröffentlichten Büchern beteiligt war, weiss ich erst seit der Lektüre des entsprechenden Eintrags in dem Band).

Ich selbst habe einen Beitrag zu Ridley Scott begesteuert, dessen Filme Alien und vor allem Blade Runner massgeblich Einfluss auf die Cyberpunk-Strömung hatten und haben. Dass es sich bei den Filmen um Klassiker handelt, dürfte unbestritten sein. Und so wichtig insbesondere Blade Runner auch für mich persönlich ist, halte ich Scott insgesamt doch tendenziell für überschätzt. Zweifellos ist er ein begnadeter Bildermacher, neben den unbestrittenen Meisterwerken hat er aber eine erstaunlich grosse Anzahl an belanglosen und teilweise auch haarsträubend schlechten Filmen gemacht. Zu Letzteren zählen etwa Hannibal, Prometheus und Alien: Covenant. Insbesondere die letzten beiden Filme sind derart schlecht, dass ich dazu tendiere, seine früheren SF-Grosstaten als Ausrutscher zu sehen. Ich denke, dass diese Ambivalenz in meinem Kapitel auch spürbar wird.

Ebenfalls diese Woche erschienen ist eine Rezension von Dietmar Daths Niegeschichte in der englischsprachigen germanistischen Zeitschrift Monatshefte. Da von der deutlich ausführlicheren deutschsprachigen Rezension des Dath’schen Opus magnum an dieser Stelle bereits die Rede war, und die Monatshefte-Besprechung nur über Uni-Bibliotheken zugänglich ist, belasse ich es hier dabei, den entsprechenden Link zu posten.

Spiegel, Simon: »Ridley Scott«. In: McFarlane, Anna/Murphy, Graham/Schmeink, Lars (Hg.): Fifty Key Figures in Cyberpunk Culture. London/New York: Routledge 2022, 184–188.
–: »Rezension von Dath, Dietmar (2019): Niegeschichte. Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine. Berlin: Matthes & Seitz«. In: Monatshefte 114., 317–319. Doi: 10.3368/m.114.2.317.

Erschienen: «Things to Come. Dinge im Science-Fiction-Film»

Das Ding an sich

Online bereits länger verfügbar, nun aber auch gedruckt erschienen: Der Band Dinge im Film. Stummer Monolog, verborgenes Gedächtnis. Darin enthalten ein Aufsatz von mir zu Dingen im SF-Film.

Dass Dinge für den SF-Film von grosser Bedeutung sind, wird bereits deutlich, wenn man sich die Titel einiger Klassiker des Genres in Erinnerung ruft: Things to Come, The Thing from Another World, Swamp Thing und schliesslich der heute wohl bekannteste «Ding-Film» – John Carpenters The Thing. Die Verbindung geht freilich weiter: Das, was die SF gemäss allgemeinem Konsens ausmacht und sie von anderen erzählerischen Formen unterzeichnet, ist ein Novum, und das Novum ist nichts anderes als ein Ding, das es in der Realität (noch) nicht gibt und die Welt des Films entschiedend prägt.

Als mich die Herausgeber:innen des Bandes Dinge im Film für einen Beitrag anfragten, war ich denn auch sofort mit dabei. Herausgekommen ist ein Beitrag, in dem ich vom Fluxkompensator in Back to the Future über Carpenters Thing bis zum Monolithen in 2001: A Space Odyssey die unterschiedlichsten SF-Dinge behandle.

Der Artikel ist auch online verfügbar.

Spiegel, Simon: «Things to come. Dinge im Science-Fiction-Film». In: Bulgakowa, Oksana/Mauer, Roman (Hg.): Dinge im Film. Stummer Monolog, verborgenes Gedächtnis . Wiesbaden: Springer Fachmedien 2022, 147–165.

Eine besonders schöne Inkarnation des Dings in John Carpenters The Thing

Gespräch mit George Seeßlen über Science Fiction

Auf Einladung des Schweizerischen Generalkonsulats in Chicago und des Goethe-Institut Chicago durfte ich vergangene Woche mit Georg Seeßlen über Science Fiction und verwandte Themen sprechen. Seeßlen ist ein Urgestein der deutschen Filmpublizistik, der unter anderem viel zu Stanley Kubrick, Science Fiction und generell zu Genre-Filmen publiziert hat – also inhaltlich ganz auf meiner Wellenlänge.

Das rund einstündige Gespräch fand unter der Moderation von Jordan Erica Webber auf Englisch statt.

Artikel zu «Phantastik und Futurologie» als Download verfügbar

Mein Artikel «Aus Lems Steinbruch der Theorie» zu Stanisławs Lem theoretischem Opus magnum Phantastik und Futurologie, von dem früher bereits die Rede war, ist nun als PDF frei verfügbar.

Spiegel, Simon: «Aus Lems Steinbruch der Theorie. Zu Phantastik und Futurologie». In: Rzeszotnik, Jacek (Hg.): Ein Jahrhundert Lem (1921–2021). Wrocław/Dresden: ATUT/Neisse Verlag 2021, 67–81.

Rezension von «Niegeschichte»

Dietmar Dath ist ohne Zweifel einer der produktivsten Science-Fiction-Autoren deutscher Sprache. Oder wohl eher: einer der produktivsten deutschsprachigen Schriftsteller überhaupt. Denn Dath schreibt nicht nur mit einer beeindruckend hohen Kadenz SF-Romane, daneben veröffentlicht er auch noch Bücher über Marx, Hegel, Fernsehserien, rezensiert Filme und Romane und noch diverse andere Dinge.

So sehr mich Daths unerhörte Produktivität beeindruckt – mit dem, was er schreibt, werde ich selten wirklich warm. Ich lese immer mal wieder Rezensionen von Dath, habe mir auch schon verschiedene seiner Sachtexte sowie einen Roman – Venus siegt von 2015 – zu Gemüte geführt, nichts davon hat mich aber restlos überzeugt. Das Problem ist dabei stets dasselbe: Dath weiss unglaublich viel, wartet auch immer wieder mit originellen Gedanken auf, serviert das Ganze aber leider in einem Stil, der mich meine mittlerweile leider etwas spärlichen Haare raufen lässt. Für mich ist die Dath’sche Schreibe der Inbegriff von schwurbeligem Stil.

Als vor zwei Jahren NiegeschichteDaths Opus magnum zu Theorie und Geschichte SF, erschien, war ich entsprechend skeptisch. Zwar stand für mich fest, dass Dath viel Interessantes zu sagen hätte, aber dass ich nun ausgerechnet in diesem Fall zum Freund seiner Prosa werden sollte, schien mir doch eher unwahrscheinlich. Zumal ich ohnehin der Überzeugung bin, dass bei theoretischen Grundlagewerken, deren Umfang 500 Seiten deutlich überschreitet, in jedem Fall etwas schief gegangen ist. Deshalb verzichtete ich vorerst auch darauf, Niegeschichte zu lesen, geschweige denn zu rezensieren.

Doch dann meldete sich Wolfgang Neuhaus bei mir und fragte mich, ob ich nicht doch Lust hätte, etwas über Daths Wälzer für das Science Fiction Jahr zu schreiben. Wobei er ausdrücklich keine Rezension im Sinne hatte, sondern eine eingehendere Diskussion von Daths Ansatz. Und obwohl eigentlich ich nicht recht Lust dazu hatte, liess ich mich dann doch überreden.

Das Ergebnis, ein recht ausführliches review essay, ist nun erschienen und auch bereits online verfügbar. Um es gleich vorweg zu nehmen: Obwohl ich mich ehrlich bemüht habe, Niegeschichte mit möglichst offenem Geist zu begegnen, blieben auch dieses Mal die Momente nicht aus, in denen ich angesichts himmelschreiend überladener, letztlich aber völlig nichtssagender Formulierungen kurz vor dem Verzweifeln stand.

Die Abneigung scheint übrigens auf Gegenseitigkeit zu berühen. Wie Dath in seinem Büchlein Stehsatz gesteht, verfolgt er sehr genau, was im Netz etwas über ihn geschrieben wird. So ist er auch auf einen Post von mir im sf-netzwerk gestossen, in dem ich meinem Ärger über Niegeschichte freien Laufe lasse. Nun ja, immerhin bin ich nun als exemplarischer Ignorant im Dath’schen Œuvre verewigt:

Zu meiner Rezension

Spiegel, Simon: »Wenn Theorie zu Science Fiction wird. Zu Dietmar Daths Niegeschichte.“. In: Wylutzki, Melanie/Kettlitz, Hardy (Hg.): Das Science Fiction Jahr 2021. Berlin 2021, 331–347 Tübingen: Narr Francke Attempto 2021«. [PDF]

Zu »Dune« – im Allgemeinen wie im Speziellen

Die lange erwartete, mehrfach verschobene Verfilmung von Frank Herberts Science-Fiction-Epos Dune durch Denis Villeneuve hat nun endlich die Kinos erreicht. Für die Republik habe ich in einem längeren Artikel die Geschichte der bisherigen – alle mehr oder weniger gescheiterten – Dune-Verfilmungen aufgearbeitet und mir natürlich auch Villeneuves Version angeschaut.

Den Artikel gibt es hier.

 

Josh Brolin und Timothée Chalamet

Josh Brolin und Timothée Chalamet

Erschienen: Interview mit Ivan Engler

In der Zeitschrift für Fantastikforschung veröffentlichen wir in jeder Ausgabe ein Interview mit einem/r »Phantastik-PraktikerIn«, also einem Menschen, der sich in irgendeiner Form kreativ mit einem phantastischen Genre beschäftigt. Diese Interviews sind als Gegengewicht zu den übrigen akademisch ausgerichteten Beiträgen in der Zeitschrift gedacht sowie als Erinnerung daran, dass wir ohne die Künstlerinnen und Künstler gar nichts hätten, was wir analysieren könnten.

Cargo

Cargo

In der Vergangenheit haben wir ausschliesslich Schreibende interviewt, was nicht sonderlich erstaunlich ist, da es gerade im deutschsprachigen Raum nicht allzu viele »phantastische Filmemacherinnen« oder »phantastische bildende Künstler« gibt. Das jüngste Interview weicht von diesem Muster ab: Ich hatte das grosse Vergnügen, den Winterthurer Filmemacher Ivan Engler, seines Zeichens Regisseur von Cargo, dem ersten und nach wie vor einzigen Schweizer Science-Fiction-Langspielfilm, zu interviewen. Ivan, den ich seit Jahren kenne, war sehr offen und sprach ausführlich über seinen Werdegang und sein nächstes Projekt.

Das vollständige Interview gibt es hier.

Ivan Engler

Ivan Engler

… and Beyond the Infinite

Die schwedische Produktion Aniara – nach dem gleichnamigen epischen Gedicht von Harry Martinson – ist einer der interessantesten Science-Fiction-Film der vergangenen Jahre. Zwar nicht ganz perfekt, aber mit sehr vielen sehr sehenswerten Momenten. Der Film reiht sich in die Tradition «langsamer Weltraumfilme» ein, zu denen unter anderem auch 2001: A Space Odyssey, Solaris oder Sunshine gehören (und der Beschreibung nach wohl auch Ad Astra, den ich aber noch nicht gesehen habe). Unter diesen Filmen ist Aniara aber zweifellos der kälteste und gnadenloseste. Ich sprach an der von der türkischen Cappadocia-Universität ausgerichteten virtuellen Tagung Living in the End Times: Utopian and Dystopian Representations of Pandemics in Fiction, Film and Culture, die vom 13. bis 15. Januar 2021 stattfand, über den Film.

Leider habe ich erst im Nachhinein bemerkt, dass das Mikrophon meiner Kopfhörer in Kombination mit dem Rollkragen meines Pullovers für ein permanentes Hintergrundkratzen sorgt. Ich bitte, die Störgeräusche zu entschuldigen.

 

2020 in Filmen und Büchern

Aus der Kategorie «Listen, die niemand braucht» poste ich hier – Letterboxd und goodreads sei dank – die Filme und Bücher, die ich im vergangenen Jahr gesehen bzw. gelesen habe.

Filme

Folgende Filme habe ich vergangenes Jahr zum ersten Mal gesehen – davon einige sogar im Kino! Serien sind nicht aufgeführt.

The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension

Ein sehr schräger Film Buckaroo Banzai

The 40-Year-Old Version. Radha Blank. US 2020.
1917. Sam Mendes. US/GB 2019 (siehe dazu auch meinen Artikel «Erzählen ohne Unterbruch»).
8:46. Dave Chappelle. US 2020.
À l’abordage!. Guillaume Brac. FR 2020.
À la folie … pas du tout. Lætitia Colombani. FR 2002.
About Endlessness. Roy Andersson. SE/DE/NO 2019.
The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension. W. D. Richter. US 1984.
Airplane!. Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker. US 1980.
An American Pickle. Brandon Trost. US 2020.
Angel Heart. Alan Parker. US 1987.
Der Ausdruck der Hände. Harun Farocki. DE 1997.
Baghdad in My Shadow. Samir. CH/DE/GB/IQ 2019.
The Battle of San Pietro. John Huston. US 1945.
Big. Penny Marshall. US 1988,
Black Hawk Down. Ridley Scott. US/GB 2001.
Le Bonheur. Agnès Varda. FR 1965.
Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes. Niklaus Hilber. CH/AT 2019.
Calamity, une enfance de Martha Jane Cannary. Rémi Chayé. FR/DK 2020.
Chris the Swiss. Anja Kofmel. CH 2018.
Crazy, Stupid, Love.. Glenn Ficarra und John Requa. US 2011.
Dolittle. Stephen Gaghan. US 2020.
Dont Look Back. D. A. Pennebaker. US 1967.
Double Trouble. E.B. Clucher. IT 1984.
A Fistful of Dollars. Sergio Leone. IT/ES/DE 1964.
Harry Potter and the Philosopher’s Stone. Chris Columbus. US/GB 2001.
The Host. Bong Joon-ho. SK 2006.
The I Inside. Roland Suso Richter. GB/US 2004.
I’m Thinking of Ending Things. Charlie Kaufman. US 2020.
In Bruges. Martin McDonagh. GB/US 2008.
The Irishman. Martin Scorsese. US 2019.
Jadgzeit. Sabine Boss. CH 2020.
Krabat. Marco Kreuzpaintner. DE 2008.
Kubrick by Kubrick. Gregory Monro. FR 2020.
Little Women. Greta Gerwig. US 2019.
Lust for Life. Vincente Minnelli. US 1956.

Lust for Life

Farbig: Lust for Life

Magnificent Obsession. Douglas Sirk. US 1954.
Mank. David Fincher. US 2020 (siehe dazu meine Rezension).
The Man Who Shot Liberty Valance. John Ford. US 1962.
Mare. Andrea Staka. CH/HR 2020.
Das Millionenspiel. Tom Toelle. De 1970.
Moskau einfach!. Micha Lewinsky. CH 2020.
Oldboy. Park Chan-wook. SK 2003.
On the Rocks. Sofia Coppola. US 2020.
Onward. Dan Scanlon. US 2020.
Out of the Present. Andrei Ujică. DE 1997.
Platzspitzbaby. Pierre Monnard. CH 2020.
Portrait de la jeune fille en feu. Céline Sciamma. FR 2019.
Primary. Robert Drew. US 1960.
Quello che non sai di me. Rolando Colla. CH/IT/CZ 2019 .
Les raquetteurs. Michel Brault und Gilles Groulx. CA 1958.
Rebecca. Ben Wheatley. GB 2020.
Red Road. Andrea Arnold. GBB/DK 2006.
The Remains of the Day. James Ivory. GB/US 1993.
La Rivière du hibo. Robert Enrico. FR 1962.
Schwesterlein. Stéphanie Chuat und Véronique Reymond. CH 2020.
Die Schöpfer der Einkaufswelten. Harun Farocki. DE 2001.

«Shane» und «The Searchers»


Zwei eklatante Bildungslücken gestopft!

The Searchers. John Ford. US 1956.
Sekuritas. Carmen Stadler. CH 2019.
Shane. George Stevens. US 1953.
Sorry to Bother You. Boots Riley. US 2018.
Star Trek: The Motion Picture. Robert Wise. US 1979.
Star Wars: The Rise of Skywalker. J. J. Abrams. US 2019.
Surname Viet Given Name Nam. Surname Viet Given Name Nam. US 1989.
Tenet. Christopher Nolan. GB/US 2020.
Toy Story 4. Josh Cooley. US 2019.
Train to Busan. Yeon Sang-ho. SK 2016.
Vier Fäuste für ein Halleluja. Enzo Barboni. IT 1971.
Uncut Gems. Benny Safdie und Josh Safdie. US 2019.
Die fruchtbaren Jahre sind vorbei. Natascha Beller. CH 2019.
The Vast of Night. Andrew Patterson. US 2019.
Victoria. Sebastian Schipper. DE 2015.
Virgin Stripped Bare by Her Bachelors. Hong Sang-soo. SK 2000.
We Need to Talk About Kevin. Lynne Ramsay. GB/US 2011.
The Wicker Man. Robin Hardy. GB 1973.
You Don’t Nomi. Jeffrey McHale. US 2019.
You Should Have Left. David Koepp. US 2020.

Einen alle anderen überragenden Favoriten gab es für dieses Jahr nicht. Unter den – mehr oder weniger – Neuerscheinungen gehören aber zweifellos Schwesterlein, Sorry to Bother You und Portrait de la jeune fille en feu zu den Highlights. We Need to Talk About Kevin, der schon länger geplant war, ist ebenfalls ziemlich grossartig. Der zum Retter des Kinos hochstilisierte Tenet erwies sich dagegen als einer der schlechtesten Nolan-Filme überhaupt.

Bei den älteren Film habe ich für zwei Seminare grosse Bildungslücken beim Western und beim Dokumentarfilm gestopft, wobei sich wieder einmal zeigte, dass gewisse Filme ganz zurecht als Klassiker gelten.

Folgende Film habe ich 2020 zum wiederholten Mal gesehen:

«Die Abenteuer des Prinzen Achmed»

Ein Wunder von einem Film: Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Die Abenteuer des Prinzen Achmed. Lotte Reiniger. DE 1926.
Ace in the Hole. Billy Wilder. US 1951.
Aliens. Aliens. US/GB 1986.
The Babadook. Jennifer Kent. AU 2014.
Back to the Future. Robert Zemeckis. US 1985.
Chronique d’un été. Jean Rouch und Edgar Morin. FR 1961.
The Crazies. George A. Romero. US 1973.
The Curious Case of Benjamin Button. David Fincher. US 2008.
E.T. the Extra-Terrestrial. Steven Spielberg. US 1982.
Fight Club. David Fincher. US 1999.
Il grande silenzio. Sergio Corbucci. IT/FR 1968.
Der Hexer. Alfred Vohrer. DE 1964.
Ice Age. Chris Wedge. US 2002.
In the Mood for Love. Wong Kar-wai. HK/CN 2000.
Inception. Christopher Nolan. US/GB 2010.
Jurassic Park. Steven Spielberg. US 1993.
Mary Poppins. Robert Stevenson. US 1964.
Memento. Christopher Nolan. US 2000.
Minority Report. Steven Spielberg. US 2002.
Monty Python and the Holy Grail. Terry Gilliam und Terry Jones. GB 1975.
Predestination. The Spierig Brothers. AU 2014.
The Prestige. Christopher Nolan. GB/US 2006.
Psycho. Alfred Hitchcock. US 1960.
Rashomon. Akira Kurosawa. JP 1950.
Ratatouille. Brad Bird. US 2007.
Rope. Alfred Hitchcock. US 1948.
The Shining. Stanley Kubrick. US/GB 1980.
The Spanish Prisoner. David Mamet. US 1997.
Stagecoach. John Ford. US 1939.
Triangle. Christopher Smith. GB/AU 2009.
Twelve Monkeys. Terry Gilliam. US 1995.
Unforgiven. Clint Eastwood. US 1992.
The Wild Bunch. Sam Peckinpah. US 1969.
The Wrong Trousers. Nick Park. GB 1993.
Yella. Christian Petzold. DE 2007.

Bücher

Ich halte nicht viel von Vorsätzen fürs neue Jahr, aber für 2020 hatte ich mir vorgenommen, mehr zu lesen, was auch halbwegs geklappt hat. Es sind zwar nicht unendlich viele Titel, aber angesichts der Tatsache, dass ich auch Mammutwerke wie Kim Stanley Robinsons Three-Californias-Trilogie und Dietmar Daths theoretiscer Wälzer Niegeschichte (zu dem im Laufe dieses Jahres noch eine Rezension folgen sollte) geschafft habe, ist die Bilanz gar nicht so schlecht.

In der Sparte erzählende Literatur habe ich folgende Titel gelesen (inklusive abendlicher Vorlesestoff für den Nachwuchs):

Jane Austen: Pride and Prejudice.
Albert Camus: Der Fremde.
Albert Camus: Die Pest.
Raymond Chandler: Farewell, My Lovely.
Dietmar Dath: Niegeschichte: Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine.
Per Olov Enquist: Der fünfte Winter des Magnetiseurs.
Hans Fallada: Kleiner Mann, Was Nun?.
Kurt Held: Die rote Zora und ihre Bande.
E.T.A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels.
Kazuo Ishiguro: The Remains of the Day.
Ben Lerner: 10:04.
Francesca Melandri: Alle, außer mir.
E.Y. Meyer: In Trubschachen: Roman Aus Dem Emmental.
Otfried Preußler: Krabat.
Kim Stanley Robinson: The Ministry for the Future.
Kim Stanley Robinson: Three Californias: The Wild Shore, the Gold Coast, and Pacific Edge.
Werner Rohner: Was möglich ist.
W.G. Sebald: Die Ringe des Saturn.
Karlheinz Steinmüller: Andymon.
Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel.
Ulrike Ulrich: Während wir feiern.
Jules Verne: Reise um die Erde in 80 Tagen.

Anders als beim Film stechen in der Sparte Literatur mit The Ministry for the Future und 10:04 für mich zwei Werke heraus. Die beiden Bücher sind sehr unterschiedlich – Nahzeit-SF im Falle Robinsons, metafiktionale Nabelschau bei Lerner –, aber sie haben gemeinsam, dass es sich in beiden Fällen nur noch begrenzt um traditionelle erzählende Literatur handelt.

The Ministry for the Future

«The Ministry for the Future»

Robinson hat schon vor einigen Jahren angedeutet, dass er das Ende seiner Laufbahn als Schriftsteller nahen sieht. Ich weiss nicht, ob The Ministry for the Future sein letzter Roman ist (derzeit arbeitet er an einem Sachbuch über die Sierra Nevada), aber es wäre ein würdiger Abschluss, denn in ihm kommen alle Themen zusammen, die den Autor seit Jahren beschäftigen: Klimawandel, Utopie, das Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, und die Frage, inwiefern gesellschaftliche Umwälzungen auf die Handlungen einzelner zurückgehen. Obwohl auch in The Ministry for the Future Robinsons typischer Optimismus spürbar wird, ist es wohl sein grimmigster Roman überhaupt. – Lösungen sind möglich, aber sie haben ihren Preis.

Stilistisch ist The Ministry for the Future zweifellos Robinsons radikalster Roman. Der Autor war schon immer ein entschiedener Verfechter des Infodumps als Teil einer spezifischen SF-Ästhetik, in diesem Buch treibt er dieses Prinzip nun auf die Spitze. Zwar gibt es einen zentralen Plot, dieser entpuppt sich bei genauerer Betrachtung aber als relativ handlungsarm (und ist gerade in seinen «Action-Passagen» auch eher schwach). Daneben gibt es zahlreiche Kapitel, in denen einfach Dinge referiert werden. Zum Beispiel wird die Funktion von Zentralbanken erklärt, oder ein Kohlestoff-Atom erzählt «aus seinem Leben».

Das Ergebnis ist eine seltsame Mischung aus Montageroman, Thriller und Sachbuch. Eigentlich ein unmögliches Ding, und ich bin nicht sicher, ob es an Robinsons erzählerischer Meisterschaft oder schlicht daran liegt, dass ich ohne fast alles, was er schreibt, grossartig finde (oder dass zentrale Teile des Romans in Zürich spielen), aber auf jeden Fall hat er es mal wieder geschafft, mich total in  den Bann zu schlagen. Was soll man angesichts eines solchen Endes auch noch gross sagen?

we will keep going, we will keep going, because there is no such thing as fate. Because we never really come to the end.

10:04

Von Ben Lerner habe ich früher bereits Leaving the Atocha Station und The Topeca School gelesen, die mir beide sehr gefallen haben. 10:04 war dann aber eines der Leseerlebnisse, bei denen ich regelmässig vor Begeisterung laut aufgejubelt habe. Ich verzichte hier auf den Versuch, das Buch adäquat beschreiben, und belasse es bei der wenig aussagekräftigen Bemerkung, dass es zugleich eine selbstverliebte Nabelschau und eine sehr kluge Meditation über Kunst, die Zeit und das Leben ist. Und Back to the Future spielt darin eine zentrale Rolle!

Sachbücher

Zwar lese ich im wissenschaftlichen Alltag viel Fachliteratur, es gehört aber zu den Besonderheiten des akademischen Lebens, dass man nur die wenigsten Bücher vollständig von vorne nach hinten liesst. Folgende nichtliterarische Werke habe ich mehr oder weniger vollständig gelesen (meist, aber nicht immer im Zusammenhang mit konkreten Projekten bzw. Artikeln):

Rutger Bregman: Humankind: A Hopeful History.
Barbara Brodman und James E. Doan (Hg.): Utopia and Dystopia in the Age of Trump: Images from Literature and Visual Arts.
Michael Butter: »Nichts ist, wie es scheint«: Über Verschwörungstheorien.
Dietmar Dath: Niegeschichte: Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine.
Albert Hofmann: LSD – mein Sorgenkind.
Stanisław Lem: Phantastik und Futurologie I+II.
Farah Mendlesohn: The Pleasant Profession of Robert A. Heinlein.
Uwe Timm: Der Verrückte in den Dünen: Über Utopie und Literatur.
Matthias Uhlmann: Die Filmzensur im Kanton Zürich. Geschichte, Praxis, Entscheide (siehe dazu meine Rezension).
Filippo Ulivieri und Simone Odino: 2001 between Kubrick and Clarke: The Genesis, Making and Authorship of a Masterpiece.

«Niegeschichte»

Ein dickes Ding: Dietmar Daths theoretisches Opus magnum